Dienstag, 17. Juli 2018
Masthähnchen in einem Stall [Quelle: DPA, Foto: Jens Büttner] Lupe

Geht es Hähnchen durch die "Initiative Tierwohl" wirklich besser?

Neues Tierschutzsiegel

Was taugt das neue Tierwohllabel?

Eine überwältigende Mehrheit der Deutschen ist dazu bereit, mehr Geld für Fleisch zu bezahlen – wenn die Tiere dafür ein besseres Leben hätten. Das zeigen Umfragen seit Jahren immer wieder. Seit Anfang April gibt es ein neues Tierwohl-Label auf Geflügelfleisch, das genau das verspricht. Bremen-Vier-Reporter Nikolas Golsch beantwortet die wichtigsten Fragen zum neuen Label.


Wer steckt hinter dem Siegel?

Das Siegel der "Initiative Tierwohl" [Quelle: Initiative Tierwohl]

So sieht das neue Siegel "Initiative Tierwohl" aus.

Hinter der "Initiative Tierwohl", die das Siegel herausgibt und die Betriebe kontrolliert, stecken die Fleischindustrie und die größten Einzelhändler selbst. Es ist also privat und nicht staatlich – ein wichtiger Unterschied. Die Initiative legt also selbst die Kriterien fest und muss dann auch selbst kontrollieren, ob sie eingehalten werden.


Welche Kriterien liegen dem Label zugrunde?

Hauptpunkt ist, dass die Hähnchen und Puten mehr Platz im Stall haben: Landwirte, die an der Initiative teilnehmen, halten zehn Prozent weniger Tiere. Außerdem müssen die Ställe Fenster haben und mit Pickspielzeugen für die Tiere ausgestattet sein. Weitere Kriterien sind unter anderem regelmäßige Kontrollen des Trinkwassers und des Stallklimas.


Sorgen diese Kriterien dafür, dass es den Tieren besser geht?

Das ist fraglich. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert die Initiative Tierwohl scharf. Sprecherin Lea Schmitz bezeichnet das Label gar als Verbrauchertäuschung: "Die Kriterien liegen nur minimal über dem gesetzlichen Standard." Ein Beispiel: Ein Landwirt, der in seinem Stall 30.000 Hähnchen hält, muss für die Tiere 12 Pickspielzeuge anbringen. Hochgerechnet kommt so ein Spielzeug auf 3.000 Tiere.


Warum sind die Kriterien nicht höher?

Weil der Einzelhandel nur diese niedrigen Kriterien finanziert. Landwirte kriegen für die Zusatzleistungen, die sie für die Teilnahme an der Initiative erbringen, zwischen 2,75 und 4 Cent pro verkauftem Kilogramm Tier. Für höhere Kriterien müssten diese Zahlungen erhöht werden, damit der Landwirt weiterhin kostendeckend arbeiten kann. Dazu kommt, dass sich die Gastronomie aus der Verantwortung stiehlt. Sie ist neben den Supermärkten einer der größten Abnehmer für Geflügelfleisch – zahlt aber nicht in den Fonds der Initiative ein. Aus diesem werden die Landwirte für die Einhaltung der Kriterien entlohnt.


Gibt es andere Siegel, die höhere Standards haben?

Am transparentesten ist derzeit der "Haltungskompass" von Lidl. Seit April deklariert Lidl sein Fleisch in vier Stufen. Nur sind hier die Zahlen hier genau umgekehrt – was leider für Verwirrung sorgen kann. Der Discounter greift bei seinen Stufen jeweils auf ein vorhandenes Siegel zurück, muss also nicht selbst kontrollieren, dass die Kriterien eingehalten werden.


Wie genau sehen die Stufen aus?

Stufe 4: entspricht der Bio-Haltung nach EU-Standard (Auslauf für die Tiere, mehr Platz im Stall und zum Beispiel auch kein Gen-Futter)


Stufe 3: entspricht der Freilandhaltung. Zusätzlich ist zum Beispiel das Schnäbelkürzen bei Hühnern oder die Anbindehaltung bei Kühen verboten. Lidl greift dazu auf ein Siegel des Tierschutzbundes zurück. Dieses Siegel gibt’s auch bei anderen Supermärkten: Ein blauer Kreis mit einem Kälbchen und einer Taube in der Mitte.


Stufe 2: "Stallhaltung plus". Diese Stufe entspricht den schon vorgestellten Kriterien der Initiative Tierwohl.


Stufe 1: gesetzlicher Mindeststandard


Welche Stufen kann ich mit gutem Gewissen kaufen?

Deutlich über den Mindestanforderungen liegen nur die Stufen 3 und 4. Zu dieser Einschätzung kommt auch Annabell Oelmann von der Bremer Verbraucherzentrale: "Diese Stufen sorgen wirklich dafür, dass es den Tieren besser geht."






 


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