Rabiat: Republik der Angst

Angst gehört zum Leben. Doch was passiert, wenn die Angst unser Leben bestimmt? Angststörungen sind in Deutschland kein Randphänomen – eher eine Volkskrankheit. Etwa elf Millionen Menschen leiden hierzulande an einer Angststörung. Damit ist übersteigerte Angst die häufigste psychische Erkrankung in der Bundesrepublik. Rabiat-Reporterin Katja Döhne trifft in „Rabiat: Republik der Angst“ Menschen, die sich mit ihrer Angst konfrontieren. Einige haben gelernt, mit ihrer Angst zu leben, andere suchen noch nach dem richtigen Umgang oder kämpfen weiter gegen ihre Angst an.

Ein Mann sitzt am Fenster eines Kirchturms und blickt in die Tiefe.
Jörg Küchemann leidet seit Jahren an massiver Höhenangst. Zusammen mit seinem Therapeuten Torben Schubert traut er sich im Rahmen seiner Verhaltenstherapie auf den Turm der St.-Lamberti-Kirche in Münster - und lässt sogar die Füße aus dem Fenster baumeln. Bild: Radio Bremen | Sebastian Müller

Krankhafte Angst hat viele Gesichter. Sehr häufig und sehr gut behandelbar sind Phobien, also Ängste, die sich auf ganz bestimmte Dinge oder Situationen beziehen. Zu den Klassikern zählen Spinnen-, Spritzen- oder Höhenangst. Rabiat-Reporterin Katja Döhne ist dabei, wenn Angstpatienten eine Expositionstherapie durchleben und sich ihren Ängsten stellen. Ein Mann mit Höhenangst klettert den Turm der St. Lamberti-Kirche in Münster hinauf. Bei einem Flugangst-Seminar in Bremen kommen Menschen zusammen, die schon beim Gedanken ans Fliegen Panik verspüren. Am Ende des Seminartags sollen sie in ein kleines Sportflugzeug steigen. Wie schaffen es die Betroffenen, diese extremen Situationen zu bewältigen? Und warum ist oft nur die Konfrontation der Schlüssel zu einem angstfreien Leben?

In Nordhessen begleitet „Rabiat: Republik der Angst“ die 17-jährige Antonia, die seit Jahren unter einer sozialen Phobie leidet. Sprechen vor der Klasse ist für Antonia in der Schulzeit eine Qual, meistens sitzt sie still auf den hinteren Plätzen und entscheidet sich, lieber zu schweigen. Als Panikattacken hinzukommen und Antonia aus Todesangst mehrmals die Feuerwehr ruft, sucht sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Hilfe. In der Therapie in der Schön-Klinik in Bad Arolsen macht Antonia jetzt erste Fortschritte. Hier werden Angststörungen unter anderem mithilfe virtueller Therapie behandelt. Die Patienten durchleben genau die Situationen, die in ihnen Angst auslösen, in der virtuellen Realität. Auch Rabiat-Reporterin Katja Döhne hat seit Kindheitstagen eine übersteigerte Furcht, vor großen Gruppen zu sprechen, und probiert die neuartige Therapiemethode aus. In der virtuellen Welt muss sie einen Vortrag halten, vor einem nicht allzu freundlichen Publikum. Ob die Ängste sich genauso real anfühlen, wie im echten Leben?

Ein Mann mit Brille zeigt einer Frau Fotos, während sie auf einem Sofa sitzen.
Falko aus Duisburg leidet seit einem Zusammenbruch vor einigen Jahren an einer ausgeprägten Agoraphobie. Er geht ungern aus dem Haus, vermeidet Menschenansammlungen und den öffentlichen Nahverkehr. Zusätzlich hat er eine ausgeprägte Zwangsstörung entwickelt, die ihn im Alltag stark einschränkt. Er berichtet Rabiat-Reporterin Katja Döhne (links). Bild: Radio Bremen | Florian Linke

Viele Menschen mit einer Angsterkrankung machen ihr Leid lange Zeit mit sich selber aus. Über die eigenen Ängste zu sprechen, sich vor dem persönlichen Umfeld oder gar dem eigenen Arbeitgeber zu offenbaren, ist für Betroffene oft mit Scham besetzt und ein Ding der Unmöglichkeit. Zu groß ist die Befürchtung, als schwach, angreifbar oder nicht voll leistungsfähig empfunden zu werden. In der Selbsthilfe München kommen wöchentlich Menschen zusammen, die gemeinsam lernen wollen, mit ihrer Angststörung zu leben. Vom über 70 Jahre alten Ex-Soldaten bis zum jungen Studenten treffen sich hier Menschen aus ganz unterschiedlichen Schichten der Bevölkerung. Reden hilft, da sind sich alle einig. Doch was ist es genau, was die Betroffenen in der Gruppe stärker macht? Und was ist dran am Vorurteil, dass man sich in der Selbsthilfe gegenseitig noch tiefer in die eigene Unsicherheit hineinredet?

Bei ihrer Reise durch die Republik für „Rabiat: Republik der Angst“ lernt Rabiat-Reporterin Katja Döhne, dass krankhafte Angst oft lange nicht erkannt oder missverstanden wird. Es braucht Mut, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Doch wer sie nicht ignoriert, der hat gute Chancen, sie zu besiegen – oder sich zumindest mit ihr anzufreunden.

Zwei Männer in einem Flugzeugcockpit.
Direkt im Anschluss an das Flugangst-Seminar steigen die Teilnehmer in einen kleinen Sportflieger. Grundsätzlich gilt: Angst kann man nur besiegen, in dem man sich ihr aussetzt. Die Teilnehmer des Flugangst-Seminars wagen es, und versuchen, in der Luft nicht in Panik auszubrechen. Bild: Radio Bremen | Julian Kiesche

Bei ihrer Reise durch die Republik für „Rabiat: Republik der Angst“ lernt Rabiat-Reporterin Katja Döhne, dass krankhafte Angst oft lange nicht erkannt oder missverstanden wird. Es braucht Mut, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Doch wer sie nicht ignoriert, der hat gute Chancen, sie zu besiegen – oder sich zumindest mit ihr anzufreunden.

„Rabiat: Republik der Angst“ ist ab Freitag, dem 1. Oktober, 15 Uhr in der ARD Mediathek abrufbar.

Stabliste:

Buch/RegieKatja Döhne
KameraFlorian Linke, Frederik Klose-Gerlich
TonDavid Haarhaus, Lennart Lang
SchnittEike Bartsch
ProduktionsleitungLeonardo Re, Michael Kappler
ProducerManuel Möglich, Christian Tipke
RedaktionFrido Essen (Radio Bremen)
LeitungThomas von Bötticher (Radio Bremen)

„Rabiat: Republik der Angst“ ist eine Produktion der Sendefähig GmbH (Manuel Möglich, Dennis Leiffels und Christian Tipke) im Auftrag von Radio Bremen für Das Erste 2021.

„Rabiat“

Das junge Reportageformat von Radio Bremen, in dem Journalistinnen und Journalisten mit Haltung kontroverse Themen der Zeit und der Gesellschaft beleuchten, ist die Erweiterung des „Y-Kollektivs“ ins Fernsehen. Das „Y-Kollektiv“ ist eine Gruppe junger Journalistinnen und Journalisten, dass sich eine große Fangemeinde aufgebaut hat - mit aktuell 940.000 Abonnenten und 240 Millionen Aufrufen insgesamt allein bei YouTube. Und seit einigen Monaten sind die Reporterinnen und Reporter mit ihren Reportagen auch in der ARD-Audiothek vertreten. Redaktionell betreut wird das funk-Format „Y-Kollektiv“ vom Programmbereich Pop & Digital bei Radio Bremen, der sich auf die Entwicklung junger, crossmedialer Angebote für die ARD konzentriert.

Vor und nach den Fernseh-Reportagen wird auf den Kanälen des „Y-Kollektivs“ (YouTube, Instagram, Facebook, Twitter) diskutiert. In den Social-Media-Kanälen führen die Autorinnen und Autoren persönliche Debatten, berichten transparent über ihre Arbeit und Recherche. Den Fragen der Zuschauerinnen und Zuschauer im Fernsehen stellen sie sich in Q&As oder in den Kommentarspalten.