Bremer-Fernsehpreis-Trophäe [Quelle: Mattias Hornung]
Die Gewinner 2018

[Quelle: Mattias Hornung]

Die Gewinner des Bremer Fernsehpreises 2018

Welche Einreichungen haben die Jury in diesem Jahr überzeugt? Hier finden Sie alle Gewinner des Bremer Fernsehpreises 2018.

Kategorie „Der einzelne Beitrag vom Tag für den Tag"

2 gleichberechtigte Preise:

Preis A: "Blind" RTL-Nord

Reporterin Henrike Rosenwinkel mit einem Blinden in einem Bahnhof. [Quelle: RTL-Nord]
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"Blind“ von RTL-Nord

So begründet die Jury ihre Entscheidung: Ein Blinder zeigt uns seine Welt. Im Fernsehen hat man das schon zig Mal gesehen. Doch nicht so wie bei Henrike Rosenwinkel. Sie hat sich von Christian Ohrens durch den Film führen lassen – neugierig, offen, unverstellt. Sympathisch: Die Autorin setzt sich bei ihrem Experiment nicht selbst in Szene. Und so kann Christian Ohrens ihr und den Zuschauern selbstbewusst und souverän seine Welt vermitteln. Ein Film ohne Klischees, ein Stadtrundgang, bei dem die Jury gerne mitgegangen ist.

Preis B: "Kampf um albanische Familie" – Schleswig-Holstein Magazin

Ein Familionfoto einer albanischen Familie in ihrem Garten. [Quelle: Schleswig-Holstein Magazin]
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"Kampf um albanische Familie“ – Schleswig-Holstein Magazin

So begründet die Jury ihre Entscheidung: Vielleicht ist der Ständer voller Wäsche das eindrücklichste Bild des Beitrags. Denn Familie Cekaj ist weg. Abgeschoben. Mitten in der Nacht. Dieser Beitrag der Autorin Vera Vester für das Schleswig-Holstein-Magazin des NDR geht unter die Haut, weil sie uns nicht belehren will, nicht darüber urteilt, ob es richtig oder falsch ist, wie die Behörden mit der Familie umgehen. Sie schildert den Verlust. Für Freunde, für Nachbarn. Auch die klagen nicht an, sondern erzählen einfach, was Familie Cekaj für sie bedeutet hat. Das ist wohltuend in einer Zeit, in der viele Zuschauer den Eindruck haben, wir jubeln ihnen unsere Meinung zum Thema Flüchtlinge unter!

Kategorie "Die beste Sendung"

Preis: "Abendschau vom Breitscheidplatz" (RBB Berlin)

Moderator Sascha Hingst im Interview am breitscheidplatz in Berlin. [Quelle: RBB Berlin]
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"Abendschau vom Breitscheidplatz“ (RBB Berlin)

Das sagt die Jury: Die Gedenkveranstaltung am Breitscheidplatz: Die Abendschau vom RBB macht in jeder Sekunde deutlich, um wen es an diesem Abend geht: Um die Opfer, ihre Angehörigen und die vielen Helfer. Nicht darum, sich als Fernsehen selbst in Szene zu setzen. Respektvoll lässt Moderator Sascha Hingst jene zu Wort kommen, für die das Attentat alles in ihrem Leben verändert hat – von den Schaustellern bis zum Feuerwehrmann. Hingst schweigt, wenn die Menschen der Toten gedenken, wenn Glocken läuten, wenn das Grauen nicht in Worte zu fassen ist. Wir erfahren: Das Attentat – ein Trauma für die Berliner. Und deshalb hatte an diesem Abend das Regionalfernsehen zu Recht selbst die Tagesschau von ihrem Sendeplatz vertrieben.  

Kategorie "Die beste Recherche"

Preis: Betrug mit Flüchtlingswohnungen (Hamburg-Journal, NDR Hamburg)

Eine Flüchtlingsfamilie sitzt in einem leeren Raum. [Quelle: Hamburg-Journal, NDR Hamburg]
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Betrug mit Flüchtlingswohnungen (Hamburg-Journal, NDR Hamburg)

So lautet die Begründung der Jury: Die Geschichte beginnt mit einer betrogenen Familie und endet mit einem ganzen Betrugssystem. Dazwischen steht eine lange und hartnäckige Recherche, bei der die Autorin Lara Straatmann nicht nur viele Opfer findet, sondern auch an die Ermittlungsakten kommt. Der absolute Höhepunkt: die Betrügerin Sana V. wird aufspürt und sie gibt nicht nur ihre Taten zu, sondern redet sich vor der Kamera auch noch um Kopf und Kragen. Das verblüfft. Und die Behörden: lassen sich immer weiter betrügen. Das entsetzt: Lara Straatmann hat ihr Gespür für Menschen und ihr großes journalistisches Geschick voll ausgespielt. Für die Jury ein investigatives Meisterstück.

Kategorie "Die gelungenste Zuschauerbeteiligung"

2 gleichberechtigte Preise:

Preis A: #Abgasalarm (SWR)

Abgase aus einem Auspuff eines Autos. [Quelle: SWR]
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#Abgasalarm (SWR)

So lautet die Begründung der Jury: Vielen Menschen stinkt es - und das nicht nur in den Großstädten: LKW, Busse, Autos – sie hinterlassen dicke Luft: Und wir sind dem hilflos ausgeliefert? Nein! Der SWR hat seine Zuschauer aufgerufen, selbst zu messen. Linear, online und über soziale Netzwerke konnten sie sich als Sammler melden und Messröhrchen bestellen. Der Andrang war riesig. Die Ergebnisse wurden auf einer interaktiven Karte online gestellt. Es  entstanden Bürgerinitiativen, politische Diskussionen. Experten und Zuschauer gaben Tipps und Hinweise, wie der CO2-Ausstoß reduziert werden kann. Auf Facebook gab es bis zu 220.000 Abrufe! Die Umfrage zum Dieselfahrverbot hatte 44.000 aktive Nutzer. #Abgasalarm hat gezeigt, dass man aus einem hochpolitischen Thema eine erfolgreich Zuschauer-Aktion machen kann. Für die Jury ein Leuchtturmprojekt, das von anderen dritten Programmen bereits kopiert wird.

Preis B: "NRW summt" (Hier und heute, WDR)

Eine Biene auf einer violetten Blüte bei Sonnenschein. [Quelle: Hier und heute, WDR]
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"NRW summt“ (Hier und heute, WDR)

So lautet die Begründung der Jury: Die Bienen sterben aus – da muss die Politik was tun, auch die Landwirtschaft und die chemische Industrie sowieso! Das ist wahr. Aber auch jeder von uns, meint die Hier und heute-Redaktion vom WDR. Und zwar nicht mit Wut im Bauch, sondern mit guter Laune! Hier und heute verschickt Samen raus ins Land. Schließlich gärtnern die Zuschauer der Nachmittagssendung für ihr Leben gern und verstehen genau, was es bedeutet, wenn es in den nordrhein-westfälischen Gärten nicht mehr summt. Hier und heute meint: Heimatfernsehen – das heißt auch, Menschen hinter einer Idee zu versammeln – online, über Facebook und natürlich durchs Fernsehen! Die Jury meint: Das stimmt!

Sonderpreis

Berichterstattung über "Angriff auf Bürgermeister von Altena" (Aktuelle Stunde, WDR)

Die Moderatoren der "Aktuellen Stunde" im Studio. [Quelle: Aktuelle Stunde, WDR]
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"Angriff auf Bürgermeister von Altena“ (Aktuelle Stunde, WDR)

So lautet die Begründung der Jury: Es ist der 27. November 2017: Auf Altenas Bürgermeister Andreas Hollstein wird eine Messerattacke verübt. Zeitgleich findet in Köln die Verleihung des Staatspreises an den Schriftsteller Navid Kermani statt. Kermani erwähnt Andreas Hollstein, weil dieser mehr Flüchtlinge aufgenommen hat, als er musste. (Die Messerattacke und die Verleihung des Staatspreises an Kermani -) Eine verstörende Parallelität, die die Aktuelle Stunde dem staunenden Zuschauer in einem Beitrag von Autor Thomas Görger präsentiert. Was er in der Aktuellen Stunde zu sehen bekommt, informiert ihn beispielhaft über das Geschehen und ordnet es in hervorragender Weise ein. Hier stimmt alles: Planung und Bau des Schwerpunkts mit den Studiogästen Andreas Hollstein und Henriette Reker, die einfühlsam interviewt wurden, die Moderation, die Beiträge. Beim WDR geht es nicht nur um ein Attentat. Es wird eingeordnet in die gesellschaftspolitische Debatte über Toleranz, Integration und Engagement. Die Jury meint: eine herausragende Teamleistung, die zum Nachdenken anregt.

Kategorie "Worauf wir besonders stolz sind"

Preis: "Sing mich Teil 1+2" (Aktuelle Stunde, WDR)

Maria Vavvas ist zu Tränen gerührt. [Quelle: Aktuelle Stunde, WDR]
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"Sing mich Teil 1+2“ (Aktuelle Stunde, WDR)

So lautet die Begründung der Jury: Regionalfernsehen heißt auch: Menschen aufs Podest heben, die nicht in den Schlagzeilen sind. Dazu gehört Maria Vavvas.  Ihre Schwester kam bei der Duisburger Loveparade-Katastrophe ums Leben. Die richtigen Worte zu finden, um sie zu trösten – das funktioniert nicht. Deshalb versucht es die Aktuelle Stunde des WDR mit Autor Christian Dassel auf eine andere Weise.  Der Song der Band Echo Appartment trifft den richtigen Ton und rührt nicht nur Maria Vavvas zu Tränen, sondern die Zuschauer gleich mit. Denn Trauer und Verlust kennen wir alle. Die Redaktion der Aktuellen Stunde hat erkannt: Berichte und Reportagen über die Love-Parade-Katastrophe gab es mehr als genug. Aber durch diese Erzählweise spüren wir die Folgen noch einmal auf ganz andere, auf sinnliche Art und Weise.

Kategorie "Die beste Moderatorin/Der beste Moderator"

Es wurde kein Preisträger gekürt.

Die gesamte Preisverleihung

Die gesamte Preisverleihung zum Nachschauen (zirka 2 Stunden).