Jahres-LUCHS 2021 geht an Juliane Pickel für „Krummer Hund“

Der LUCHS des Jahres 2021, der Kinder- und Jugendbuchpreis von ZEIT und Radio Bremen, geht an die Autorin Juliane Pickel für ihren Jugendroman „Krummer Hund“, erschienen bei Beltz & Gelberg. Am Mittwoch, den 16. März 2022, wird der mit 8.000 Euro dotierte Preis am Vorabend der Leipziger Buchmesse in Leipzig verliehen.

Cover des Buches "Krummer Hund".
Juliane Pickel: Krummer Hund, Verlah Beltz & Gelberg Bild: Verlag Beltz & Gelberg | Montage Radio Bremen

Zum Buch: Der 15-jährige Daniel trägt viel Wut im Bauch. Seitdem der Vater ihn und seine Mutter vor neun Jahren ohne eine Erklärung verlassen hat, ist sein Leben aus den Fugen. Seine Mutter bringt ständig neue Männer nach Hause. Nie bleiben sie lange, keinen kann Daniel leiden, machen sie seine Mutter doch jedes Mal aufs Neue unglücklich. Dem Tierarzt Thomas König begegnet Daniel gleich mit doppelter Skepsis, denn seine Mutter lernt ihn kennen, als der Daniels geliebten, aber krebskranken Hund Ozzy einschläfert. Der war das Abschiedsgeschenk des Vaters, und während der „Doc“ eine Beziehung mit der Mutter beginnt, tickt Daniel nach Ozzys Tod regelmäßig aus: Er zertrümmert Fahrräder, demoliert Autos, attackiert einen Hund, schlägt im Park einen Alkoholiker zusammen und auf dem Schulhof einen Mitschüler. Verzweifelt fühlt Daniel sich seiner eigenen Wut ausgeliefert, sieht sich als Freak, auf den nur kaputte Mädchen stehen. Bis ausgerechnet Alina, die gleichsam schön wie eiskalt ist und die Daniel bisher „Princess Evil“ genannt hat, Interesse an ihm zeigt. Auch Alina kämpft mit einem schweren Verlust. Ihr Bruder wurde nach einer Party überfahren und ist tot. Der Täter ist unbekannt, bisher weiß man nur, dass er einen Sportwagen fuhr. So einen besitzt ausgerechnet der „Doc“. Und Daniel, der gerade angefangen hatte, Hoffnungen in den neuen Typen seiner Mutter zu setzen, kommt ein schwerer Verdacht.

Die LUCHS-Jury urteilt: „Wut und Trauer, Ekel, Verliebtheit und Eifersucht: Juliane Pickel hantiert in ihrem kompakt konstruierten Roman mit großen Gefühlen und menschlichen Abgründen, und sie beschreibt mit bewundernswerter Einfühlung und in verblüffenden Bildern die Verzweiflung ihres jungen Helden. Dabei ist sie ganz nah an der Welt dieses Teenagers, schreibt nicht über ihn, sondern wie aus der Seele eines 15-Jährigen heraus, und das in einer Sprache, die ruppig und rotzig sein darf, die sich nicht herabbeugt oder durch vermeintlich coolen Jugendslang anbiedert. Lässig, aber nie nachlässig im Ton fängt sie den Geruch der Provinz ein. Und so pointiert die fast filmreifen Dialoge sind, so gekonnt gleicht Pickel die Schwere der Themen mit Komik aus. Keine ihrer Figuren ist ohne Makel, jede aber von der Autorin so liebevoll erdacht und beschrieben, dass man mit der enttäuschten Mutter ebenso mitfühlen kann wie mit dem wütenden Sohn, ja sogar mit der ihre Mitschüler drangsalierenden „Princess Evil“. All das zeugt von Pickels großer Erzählkunst, die vielleicht größte Stärke dieses Romans ist aber der Mut, der im Jugendbuch so beliebten Figur des schlechten Vaters, mal einen positiven Helden entgegenzusetzen. Der "Doc" macht längst nicht alles richtig, aber er versucht, Daniel wirklich zu verstehen und hält ihm stand. Dass der Teenager selbst das am Ende frei von allen Sentimentalitäten begreift, macht Pickels „Krummen Hund“ zu einem fulminanten Debüt – und zum LUCHS des Jahres 2021.

Autorin Juliane Pickel
Bild: Verlagsgruppe Beltz | Carla Deiters

Die Preisträgerin: Juliane Pickel, Jahrgang 1971, lebt und schreibt in Hamburg. Sie studierte erst Germanistik und später Pädagogik und ist Autorin zahlreicher Kurzgeschichten. Für das noch unveröffentlichte Manuskript von „Krummer Hund“ erhielt sie den Peter-Härtling-Preis. Der Auszeichnung verdankt Pickel nun ihr grandioses Roman-Debüt, denn die prämierten Bücher werden im Verlag Beltz & Gelberg veröffentlicht.

Der LUCHS-Preis: Jeden Monat vergeben DIE ZEIT und Radio Bremen den LUCHS-Preis für Kinder- und Jugendliteratur. Aus den zwölf Monatssiegern wird der Jahres-LUCHS gewählt. Die Jury, die über den LUCHSE 2021 und den Jahres-LUCHS entschieden hat, bildeten Brigitte Jakobeit, Übersetzerin, Anja Robert, Redakteurin bei Radio Bremen, Benno Hennig von Lange, Junges Literaturhaus Frankfurt, Klaus Humann, ehemaliger Kinder- und Jugendbuchverleger sowie Katrin Hörnlein, die als Redakteurin bei der ZEIT das Ressort Junge Leser sowie die Kinder- und Jugendliteratur verantwortet und Vorsitzende der LUCHS-Jury ist.

Mehr zur diesjährigen Preisträgerin und zum Jugendroman „Krummer Hund“ finden Sie auch bei Radio Bremen unter www.bremenzwei.de/luchs

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