2012: Erste Ausgabe der "Tageswebschau"

Am 4. Juni 2012 erscheint die erste Ausgabe der "Tageswebschau". In einem Pilotversuch sollen Internet-Nachrichten für Jüngere auf den Weg gebracht werden.

Logo der tagesWEBschau
Bild: ARD

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen und die jüngeren Zuschauer kommen immer seltener zusammen. Ganz anders die jungen Radiowellen der ARD. In ihren regionalen Märkten sind sie deutlich erfolgreicher in der jungen Zielgruppe als die Fernsehprogramme der ARD. Auch deshalb beschließen die Intendant*innen der ARD und des Deutschlandfunks, in einem Pilotversuch Internet-Nachrichten für Jüngere auf den Weg zu bringen. Das ist der offizielle Startschuss für das Projekt "Tageswebschau".

Kooperationspartner sind die Tagesschau von ARD-aktuell, YouFM vom Hessischen Rundfunk und die Redaktion "Digitale Garage" von Radio Bremen. Damit verbinden sich die Kompetenzen und Erfahrungen der wichtigsten deutschen Nachrichtenmarke, einer jungen erfolgreichen Radiowelle und der Internet-Auskenner des crossmedialen Innovationslabors, das mit der Aufgabe betraut ist, jüngere Zielgruppen wieder an die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu binden.

Nachrichten aus Sicht der Netz-Gemeinschaft aufbereiten

Das neue Webformat soll tagesaktuelle News aus Politik, Wirtschaft und allen anderen Bereichen der Gesellschaft aus Sicht der Netz-Gemeinschaft aufbereiten. "Die "Tageswebschau" soll zum einen Netzthemen stärker in den Blick nehmen, als es in einer klassischen Fernsehnachrichtensendung möglich ist, und zum anderen in größerem Umfang die Diskussion im Netz über relevante Ereignisse abbilden", sagt Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell.

Die "Tageswebschau" ist ein:

  • Junges journalistisches Info-Format.
  • Berichtet über aktuelle Themen mit Netzperspektive.
  • Wird nicht moderiert, sondern im Off gesprochen.
  • Soll eine Ergänzung sein zu den klassischen Radio- und TV-Nachrichten.
  • Kommt mit der Anmutung und dem Design der Tagesschau daher, ohne die große Schwester zu kopieren.
  • Wird täglich von Montag bis Freitag in der Digitalen Garage produziert, getextet, gebaut, gesprochen, finalisiert und am späten Nachmittag überspielt und hochgeladen. Ergebnis ist ein drei bis vier Minuten langes Video.

"Jüngere Menschen an die Marke Tagesschau heranführen"

Screenshot Tageswebschau Özil
Tageswebschau Webplayer Bild: Radio Bremen

Ziel sei es, erklärt Jan Weyrauch, Programmdirektor von Radio Bremen, "jüngere Menschen an die Marke Tagesschau heranzuführen". Gesendet wird sie im klassischen Fernsehen, in den drei Digitalkanälen der ARD, außerdem wird sie auch online und in den sozialen Netzwerken angeboten. Zusätzlich wird ein Webplayer zur Verfügung gestellt, den die kooperierenden jungen Radiowellen jeweils auf ihren eigenen Internetseiten einbinden können.

Nach einem halben Jahr wird die Pilotphase um ein weiteres halbes Jahr verlängert. Nach einem Jahr ist dann allerdings Schluss. Einige der vorher definierten Erfolgskriterien werden erreicht, andere nicht. Die ARD-Gemeinschaftsfinanzierung läuft aus und die "Tageswebschau" wird nicht fortgesetzt. Das führt zu zahlreichen freundlich gesonnen Kommentaren und Mails – ein echter Candystorm. Leider zu spät für die Rettung. Immerhin: Die Intendant*innen der ARD richten einen Innovationstopf ein, um in Zukunft solche Projekte besser finanzieren zu können.

Aus Tageswebschau wird Wochenwebschau

Radio Bremen beschließt, das Wissen und die Erfahrungen aus einem Jahr Netznachrichtenproduktion nicht nur zu erhalten, sondern auch weiter zu nutzen und startet im Alleingang ein neues Projekt mit dem Team der Digitalen Garage: die "Wochenwebschau". Die drei Digitalkanäle der ARD sind vom Start wieder mit dabei und strahlen die "Wochenwebschau" linear in ihren TV-Programmen aus. Zusätzlich wird das Format in den sozialen Medien veröffentlicht.

Lena Döring Logo Wochenwebschau
Wochenwebschau-Moderatorin: Lena Döhring Bild: Radio Bremen

Es gibt aber ein neues Konzept. Nach einem Jahr "Tageswebschau" ist klar – News funktionieren im Netz besser, wenn sie "persönlicher" sind! Die "Wochenwebschau" wird nur noch ein Mal pro Woche gesendet, sie wird länger, acht bis zehn Minuten, und sie wird von Moderator*innen präsentiert. Die besten Elemente aus dem Vorgänger sollen erhalten bleiben: "Aber als Magazinsendung darf die 'Wochenwebschau' viel mehr mit Meinungen und Perspektiven spielen", so Marcello Bonventre, Leiter der Digitalen Garage bei Radio Bremen und der "Wochenwebschau".

Neues Produktionsweise, neue Workflows

Die Produktionsweise wird zeitgemäßer, neue Workflows werden eingeführt, Vorbild für viele andere Abteilungen bei Radio Bremen. Mediengestalter werden ganz selbstverständlich Teil des Teams, unterstützen die Redaktion in allen technischen Fragen und sind auch bei der Themenfindung von Anfang an dabei. Diese neue Arbeitsteilung von technischen und redaktionellen Mitarbeitenden wird auch Vorbild für andere Redaktionen bei Radio Bremen.

Die Effekte dieser Umstellung sind deutlich spürbar, die Redaktion produziert nicht nur wöchentlich ein Magazin auf hohem Qualitätsniveau, sondern bietet darüberhinaus auch täglich einzelne Netz-Beiträge an. Und geht so auf die gestiegenen Wünsche der einzelnen Sender ein. Ende 2015 wird die Wochenwebschau eingestellt.

Aus für Wochenwebschau

"Auf die Digitale Garage von Radio Bremen kommen im Zusammenhang mit dem Jungen Angebot von ARD und ZDF neue Aufgaben zu. Ziel sind neue Formate, die unter dem Dach des jungen öffentlich-rechtlichen Angebots realisiert werden sollen", so Radio-Bremen-Programmdirektor Jan Weyrauch und meint damit, dass Radio Bremen beim Start von funk, dem crossmedialen Angebot für 15- bis 25-Jährige, eine wichtige Rolle spielen will. "Zum Beispiel arbeitet die Digitale Garage an einem Personality-Format und an neuen Web-Dokus. Die Arbeit an diesen Konzepten ist parallel zur regelmäßigen Arbeit für die 'Wochenwebschau' und die ARD-Netzreportagen kaum zu leisten." Da die "Wochenwebschau" im Kern immer noch ein Fernsehformat sei, habe die Redaktion beschlossen, das Format auslaufen zu lassen.

Die Digitale Garage konzentriert sich nun mit all ihrer Erfahrung darauf, Formate für funk, das Content Netzwerk von ARD & ZDF, zu konzeptionieren und zu produzieren. Mit großem Erfolg.